Illustrator Ellie Smith portrait in East London

Interview

Ellie malt - Wie du dein Hobby in dein Business verwandelst

Im Gespräch mit der Londoner Illustratorin Ellie Smith

Als ich Ellie Smiths’ Zeichnungen auf Instagram entdeckt habe, hatte ich Lust, selbst einen Stift in die Hand zu nehmen und loszuzeichnen – ihre Arbeit macht so Appetit auf Zeichnen! Vor ungefähr zwei Jahren hat Ellie ihr Side Hustle Business als Illustratorin gestartet und fertigt seitdem unter anderem Haus-Protraits auf Kundenauftrag an. Außerdem bietet sie Prints online und auf Kunstmärkten an. Ihr Stil ist ziemlich außergewöhnlich – vor allem Fine Liner, leicht ungerade Linien und schiefe Winkel, Lieblingsmotive sind Haushaltsgegenstände, Natur, Häuser, Pubs, Fußballstadien,… Für dieses Blog-Interview treffe ich Ellie im “The Bow Bells” Pub in East London. Sie zeigt mir ihre  Skizzenbücher und ich kann kaum fassen, dass das Skizzenbücher sein sollen, den sie sind so ordentlich und hübsch und ohne ein einziges Eselsohr oder missratene Zeichnung. Sie versichert mir aber, dass sie so ihre Skizzen macht.

Sketch of Ellie
Du hast kurz nach dem ersten Lockdown damit begonnen, deine Zeichnungen zu veröffentlichen und zum Kauf anzubieten – war die freie Zeit der Grund, warum du dein Kunst-Business gestartet hast?

Tatsächlich habe ich meine Kündigung für meinen alten Job als Kustlehrerin bereits Ende Februar 2020 eingereicht, als noch niemand etwas von der Pandemie geahnt hat. Ein Grund für meine Kündigung war mehr Zeit zum Zeichnen zu haben. Und dann kam die Pandemie und ich habe die Zeit gut genutzt, habe gemalt, gemalt, gemalt – ich kann kaum glauben, dass das erst zwei Jahre her ist, seitdem ich meine Kunst so richtig pushe. Seit ich meinen neuen Job habe, habe ich das beibehalten und sichergestellt, dass ich genügend Zeit dafür freimache.

Interessant! Manchmal höre ich von professionellen Kreativen, dass sie eher zufällig in ihre Karrieren reingerutscht sind… Du aber scheinst wirklich mit Plan und Vorsatz darauf hingearbeitet zu haben und bist bewusst diese Schritte gegangen, die deine Karriere als Illustratorin wahr werden ließen – inclusive der Kündigung deines alten Jobs…

Ja! Selten schaue ich zurück und ich bereue es nicht einen Job gehabt zu haben, der so stressig war, aber ich denke auch, dass ich es nicht viel länger ausgehalten hätte und ich hätte meine Kunst nicht einfach nicht tun können. Ich dachte, wie würde es sich anfühlen, wenn ich am Ende meines Leben zurückschaute und nichts aus meiner Kunst gemacht hätte. Und ich liebe meine Kunst und Leute bestätigen, dass sie sie auch lieben. Also, es wäre eine große Verschwendung gewesen und ich musste das einfach tun.

"Ich dachte, wie würde es sich anfühlen, wenn ich am Ende meines Leben zurückschaute und nichts aus meiner Kunst gemacht hätte."

Das ist großartig – das heißt, du hast deiner Kunst wirklich vertraut? Hattest du keine Angst vor dem Risiko eine sichere Arbeitsstelle aufzugeben?

Also, ich denke ich wollte unbedingt aus meinem Job raus. Und ich wusste, dass ich zur Not immer noch als Vertretungskraft arbeiten kann, um über die Runden zu kommen. Aber ich wollte wirklich sehen was passiert. Es hört sich im Nachhinein ein bisschen verrückt an.

Was würdest du dir rückblickend raten?

Ich bin froh, dass ich`s gemacht habe und in dem Moment hat es sich so angefühlt, als hätte ich eine große Wahl – wie wenn du so an den Abrgrund gedrängt wirst, dass du springen musst. Du machst das nicht, wenn du dich sicher fühlst, dann würde zu viel auf dem Spiel stehen. Ich denke aber, ich bin immer noch in der Sicherheitszone gelandet, da ich ja dann doch wieder einen Vollzeit-Job angenommen habe.

Wie läuft`s damit?

Ich wollte eigentlich nicht wieder in Vollzeit arbeiten, aber diese Schule, für die ich jetzt arbeite, wollte eine Vollzeitkraft. In meinem neuen Job habe ich aber viel mehr Zeit als in meinem Alten und ich kann meine Zeit besser einteilen.  

Hoffst du, eines Tages deinen Job als Lehrerin ganz aufgeben zu können um ausschließlich deine Kunst zu machen?

Ich weiß es nicht. Ich denke, ich habe das gehofft, und vielleicht werde ich eines Tages nur noch in Teilzeit arbeiten. Aber das ist im Moment nicht mein Plan.

Einer der Nachteile sein Hobby zum Beruf zu machen, ist, dass es sich manchmal wie eine Pflicht anfühlt - und nicht mehr wie etwas, das man gern macht…

Das kann ein Balanceakt sein. Ich will mehr neue Dinge zeichnen und malen, aber dann schaltet sich mein Grafikdesign-Gehirn ein - ich habe früher als Grafikdesignerin für Grußkarten gearbeitet – und denkt: Wie würde ein kommerzieller Print aussehen? Was wird sich gut verkaufen? Deswegen sind Haus-Portraits super. Denn ich liebe es, Häuser zu malen und Architektur. Die Aufträge sind oft traumhaft schöne Viktorianische Landhäuser und ich kann wieder mit einer neuen Zeichnung anfangen – ich kann etwas, das ich mag UND etwas Neues malen. Außerdem liebe ich es, Momente zu zeichnen – sowas wie diese Lifestyle Szene von der Mayo und den Pommes hier auf dem Tisch… Oder neulich habe ich auf der letzten Seite eines Kochbuchs eine Szene von der Spüle gesehen, auf der sich der Abwasch getürmt hat – so eine sinnträchtige Szene, eben einer dieser Momente, …  - und ich denke, das ist das, wovon ich mehr malen möchte.

"Ich habe meine Zeichnungen immer geliebt und ich habe es immer geliebt, zu zeichnen. Aber ich denke, ich habe nicht immer daran geglaubt, dass ich es damit zu etwas bringen kann – und daher ist es für mich so ein großes Privileg, dass Leute meine Kunst möchten."

Wie hast du deinen Malstil gefunden?

Mein Tutor an der Uni hat mich in die Landschaft rund um Leeds geschickt, um zu malen und meinen Stil zu finden. Ich ging also los, habe Schafe gezeichnet, Blätter und solche Dinge. Und er sagte: “Genau, das ist es – so wie es sich angefühlt hat, das zu malen, so sollte es sich immer anfühlen, wenn du malst.“

In einem sehr alten Instagram Post gleich nach Beginn des Lockdowns schreibst du sowas wie “Ich war in letzter Zeit nicht gut darin, zu zeichnen…” – nur, dass deine Zeichnungen sehr gut ausgesehen haben. Sind das Anzichen des berüchtigten Imposter Syndroms, also Zweifel an deinem Können?

Kann sein, dass ich damit gemeint habe, dass ich ärgerlich darüber war, dass ich nicht genügend gezeichnet habe, weil mein alter Job mein Leben übernommen hat und ich daher außer Übung gekommen bin. Ich habe meine Zeichnungen immer geliebt und ich habe es immer geliebt, zu zeichnen. Aber ich denke, ich habe nicht immer daran geglaubt, dass ich es damit zu etwas bringen kann – und daher ist es für mich so ein großes Privileg, dass Leute meine Kunst möchten. Das hat mein Selbstvertrauen auf jeden Fall gestärkt, denn es gibt genügend Hinweise darauf, dass Leute meine Arbeit mögen.

Schön! Stehst du im Moment überhaupt noch vor irgendwelchen Herausforderungen?

Was mich ab und zu runterzieht, ist, wie viel Arbeit es ist, auf Instagram zu posten und die Kunstdrucke fertigzustellen. Ich nehme auch an Märkten teil und wenn die nicht gut laufen, dann ist mein Samstag, mein freier Tag, für nichts draufgegangen. Es gibt einfach weniger gute Monate und das ist manchmal frustrierend. Wenn ich all meine Kunst hauptberuflich machen würde, dann hätte ich mehr Zeit, meine Arbeit zu promoten. Aber dann erinnere ich mich selbst wieder daran, dass ich diese Balance für mich bewusst gewählt habe, um ein sicheres Einkommen zu haben.  

Die Preise für deine Prints sind sehr erschwinglich – ich meine, man kann Kunst für 10 Pfund verkaufen, aber eben auch für 1000 oder mehr….

Wenn man einen sehr hohen Verkaufspreis festsetzt, dann ist es schon toll, wenn man ein Kunstwerk verkauft. Aber ich mag Verkaufen gerne, ich genieße das Gefühl. Daher will ich meine Preise nicht hoch setzen. Meine Auftragsarbeiten kosten allerdings mehr, weil sie doch einiges an Zeit brauchen und außerdem Expertise – daher finde ich den Preis angemessen.

Wie lange brauchst du ungefähr für ein Haus-Portrait?

Ich bin nicht so ganz sicher, was die Stundenzahl angeht, denn ich arbeite gestückelt nach der Arbeit, aber ich kann ein Haus-Portrait innerhalb von zwei Wochen fertigstellen – und das beinhaltet die Zeit, in der es beim Drucken ist. Aber das gilt, wenn es nicht zu kompliziert ist und ich gerade nicht noch an anderen Aufträge arbeite.

"Ich mag Verkaufen gerne, ich genieße das Gefühl. Daher will ich meine Preise nicht hoch setzen."

Ellie draws
Drawing of Ellie Smith
Wie ist dein Arbeitsprozess?

Idealerweise schicken mir die Hausbesitzer ein Foto ihres Hauses. Meine Stifte variieren je nach Dicke und ich habe zwei Lieblingsstifte. Was ich für die Bilder benutze hat sich durch viel Experimentieren ergeben und ich beobachte auch, wie andere Künstler arbeiten und probiere aus, ob davon was mein Ding sein könnte. Ich scanne oder fotografiere die Zeichnung ab und in Photoshop separiere ich die schwarze Linie vom weißen Hintergrund. Wenn es Farbe haben soll, bekommt jede Farbe eine eigene Ebene, damit ich sie jeweils getrennt bearbeiten oder löschen kann. Manchmal kann es ganz schön komplex werden.

Malst du jeden Tag?

Nicht zwingend täglich aber auf zumindest mehrmals die Woche. Und ich versuche mir anzugewöhnen, ein Skizzenbuch in meiner Tasche zu haben - für wenn ich mal im Pub bin, oder auf jemanden warte.  

Was waren deine bisher wichtigsten Lernerfahrungen als professionelle Künstlerin?

Wenn du ein Produkt hast, dass du an einem bestimmten Datum auf den Markt bringen möchtest, dann bereite dein Publikum darauf vor – aber es sollte erstmal nicht nur ums Verkaufen gehen. Sondern erzähl stattdessen Geschichten aus deinem Leben, aus deinem Arbeitsalltag – Leute lieben diese Hintergrundgeschichten. Und wenn es dann tatsächlich ums Verkaufen geht, vertrauen sie dir. Ich selbst bin genauso: Ich liebe es, Künstlern auf Instagram zu folgen, weil ich gerne verfolge, was sie gerade machen und wenn ich mal etwas haben möchte, dann denke ich ‚Ah, DIE sind gut, von denen kaufe ich.“  Außerdem versuche ich, an einer Sache dranzubleiben: Gerade habe ich einen Sale und ich wollte kurz was anderes auf Instagram posten, aber dann dachte ich: ‚Nein, bleib bei einem Thema, schicke die Leute auf den Link zum Sale und verwirre sie nicht mit zu vielen Verschiedenen Themen.‘

Du findest Ellies Kunst in ihrem Online Shop auf www.elliesmithillustration.square.site. Hier findest du auch ihr Haus Portrait Angebot, und ihre neuesten Landkarten - Illustrationen.

Ihre Prints sind auch auf Etsy erhältlich auf www.elliedraws.etsy.com

Infos über die nächsten Märkte, auf denen sie vertreten sein wird, sind auf www.pedddle.com/stalls/ellie-smith-illustration.

Ihr Instagram Account ist @elliedraws

Über die Autorin: www.business-fotografin.com

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